Einzigartige Kulturlandschaft Eiderstedt

 

Fotogalerie hier...

Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die kulturhistorisch und touristisch bedeutsame Eiderstedter Kulturlandschaft, deren Erscheinungsbild sich jedoch seit einigen Jahren rasant verändert. Es gibt seit Jahren ungelöste Nutzungskonflikte zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft. [3,26 MB] 


Resolution IG Baupflege April 2010
Schweriner Erklärung BUND HEIMAT UND UMWELT Mai 2010
 

Touristische Weiterentwicklung durch attraktive Kulturlandschaft?
Klar ist, dass wir geringe Chancen haben, Industrieunternehmen
in Eiderstedt anzusiedeln. Wir haben als Haupteinnahmequelle den Tourismus, wir haben die Landwirtschaft, Dienstleistungsgewerbe, Handwerks- und Einzelhandelsbetriebe. Neben den Einheimischen und Touristen sorgen Zweitwohnungsbesitzer und Zugezogene für
Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Und wir haben gewisse Rahmenbedingungen für Eiderstedt: Da ist zunächst die Ausweisung eines 7.030 ha großen EU-Vogelschutzgebietes sowie der  Landesentwicklungsplan (von 2010). St. Peter-Ording ist danach Schwerpunktraum für Tourismus und Erholung, der Rest der Halbinsel wurde als Entwicklungsraum für Tourismus und Erholung klassifiziert. Es handelt sich damit um einen Raum, der aufgrund der naturräumlichen und landschaftlichen Voraussetzungen und Potenziale sowie seiner Infrastruktur für Tourismus und Erholung besonders geeignet ist. Die gezielte regionale Weiterentwicklung der Möglichkeiten für Tourismus und Erholung sei anzustreben. Auf Basis von interkommunal abgestimmten Entwicklungskonzepten soll eine gemeinsame touristische Infrastrukturplanung erfolgen. Der hohe Wert dieser Kulturlandschaft war letztendlich auch dafür ausschlaggebend, dass keine neuen Windeignungsgebiete in Eiderstedt genehmigt wurden. Stellungnahme LEP

Attraktives, regionstypisches Landschaftsbild eingebettet in Weltnaturerbe
Ein besonderes Highlight war im Juni 2009 die Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe durch die Welterbe-Kommission der UNESCO. Dieses Prädikat erhält nur, was außergewöhnlichen Wert hat und von so großer Bedeutung ist, dass der Erhalt für die gesamte Menschheit wichtig ist. Unser Nordsee-Wattenmeer ist weltweit das größte zusammenhängende Wattgebiet und stellt eine außergewöhnlich dynamische Landschaft dar. Nirgendwo auf der Welt hat sich unter dem Einfluss der Gezeiten eine vielfältigere Landschaft entwickelt, die sich noch heute immer wieder verändert. Ein ausgedehntes System aus großen Wattströmen und kleinen Prielen durchzieht weite Wattflächen und säumt feste, trocken fallende Sände. Muschelbänke, dichte Seegraswiesen und weiches Schlickwatt bieten vielen Tieren Nahrung. Es ist als Zwischenstopp und Rastgebiet für Millionen von Zugvögeln unverzichtbar. Blühende Salzwiesen im ausgedehnten Deichvorland wechseln sich ab mit weißen Stränden und Dünen. Diese Vielseitigkeit der Landschaft macht das Wattenmeer zu einem einzigartigen Lebensraum für mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten.

Was macht die Eiderstedter Kulturlandschaft so bedeutsam?
Darüber hinaus haben wir hier, wie bereits angesprochen, eine höchst bedeutsame Kulturlandschaft. In unserer Region haben die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur über einen Zeitraum von 2000 Jahren vielfältige und einzigartige Spuren in der Landschaft hinterlassen, die außergewöhnlich und immer noch vergleichsweise gut erhalten sind. Man kann in dieser Landschaft lesen, wie in einem offenen Geschichtsbuch:
So ist in dieser kultivierten Landschaft beispielsweise das Landschaftsprofil aus vergangenen Zeiten immer noch erkennbar. Alte Deiche bezeugen die schrittweise Eindeichung über nahezu 1000 Jahre. Siedlungen, früher wie heute, liegen auf den höher gelegenen Landschaftsteilen.
Dörfer und Städte belegen eine 2000-jährige Besiedlung der Marsch und ihrer ökonomischen und sozialen Beziehungen zu Gegenden außerhalb der Wattenmeerregion. Merkmale der Kulturlandschaft in der Wattenmeerregion sind Wurten, Bauernhöfe, Flureinteilungen, Entwässerungssysteme usw. Sie charakterisieren die Gegend, spiegeln eine Jahrhunderte lange landwirtschaftliche Nutzung wider. Altdeiche und moderne Seedeiche bezeugen die fortschreitenden Eindeichungen zur Gewinnung von Agrarland im Wandel der Zeiten.
Diese Landschaft stellt das kulturelle Erbe der einheimischen Bevölkerung dar. Sie ist das Bindeglied zwischen den hiesigen Traditionen wie Ringreiten, Boßeln und Klootstockspringen. Sie ist Bindeglied zu den Eiderstedter Trachten und zum Plattdeutsch. Jede Generation ist verpflichtet, dieses Erbe an ihre Kinder und Kindeskinder weiterzugeben. Gerade in einer globalisierten Welt, in der vieles immer einheitlicher wird, ist es wichtig, Identitätsstiftendes zu erhalten und zu pflegen.

Erhalt der typischen Eiderstedter Kulturlandschaft schafft Mehrwert
Unsere Region hat mit dieser einzigartigen Landschaft ein Alleinstellungsmerkmal, um das uns andere Regionen beneiden. Diese Chancen gilt es zu nutzen. Vor einigen Jahren fanden bereits geglückte Maßnahmenn zur touristischen Inwertsetzung statt. (Kulturhistorische Radwandertouren, Blick über den Zaun-Veranstaltungen u.ä.). Im Jahr 2012 ging die Eiderstedter Kultursaison mit einem äußerst ambitionierten und vielseitigen Programm an den Start. Bei Touristen nach wie vor beliebt sind die Eiderstedter Kirchenreisen.

Ohne Erhalt dieser unverwechselbaren Landschaft, die unsere Gäste als erholsam und wohltuend empfinden, ist die touristische Weiterentwicklung fraglich. Ein großer Teil der Eiderstedter Bevölkerung, nicht nur in St. Peter-Ording, ist haupt- oder nebenberuflich im Tourismus beschäftigt. Beispielsweise in der Vermietung, der Gastronomie oder in Handwerksbetrieben, die an der Ausstattung und Instandhaltung von Vermietungsobjekten in der gesamten Landschaft beteiligt sind. Zudem sorgt der Tourismus für eine entwickelte und qualitativ für den ländlichen Raum überdurchschnittliche Infrastruktur, von der die gesamte Bevölkerung profitiert.

Ohne Erhalt dieser bemerkenswerten Landschaft wird es auch keinen nennenswerten Zuzug von Menschen nach Eiderstedt geben, was bei rückläufigen Bevölkerungszahlen kaum zu verantworten ist. Im Vergleich zu anderen ländlichen Gebieten gilt unsere Region aufgrund der unverwechselbaren Landschaft, des hohen Erholungswertes sowie ihres touristischen Potenzials als attraktiv und jedes Jahr entscheiden sich Menschen aus anderen Gegenden Deutschlands, sich hier niederzulassen.

Wir brauchen Kooperation, neue Ideen, Engagement, Tatkraft und Durchhaltevermögen!    
Wir müssen es schaffen, den Kernkonflikt zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft zu lösen. Wir brauchen ein Miteinander statt Gegeneinander.
Um eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln, müssen wir prüfen, welche Alleinstellungsmerkmale wir haben. Durch welche gemeinsamen Aktivitäten von Tourismus, Landwirtschaft und Naturschutz können wir diese einzigartige Landschaft in Wert setzen? Was wollen wir? Was können wir? Wie gehen wir es an?